Die Umwelt ist unser Spiegel

Was bedeutet: die Umwelt ist unser Spiegel?

Wahrscheinlich habt Ihr diesen Satz schon sehr oft gehört, und vielleicht geht er einigen von Euch sogar schon tüchtig auf die Nerven, aber ich möchte hier kurz ein paar alltagstaugliche Tipps geben, um wirklich zu verstehen, was es bedeutet, dass die Umwelt unser Spiegel ist. Nur wenn wir verstehen, was genau ein Spiegel kann, wozu er da ist und wo seine Grenzen sind, können wir ihn richtig anwenden, ohne uns ständig über die Ergebnisse dieses anstrengenden Spiegels zu ärgern.

Wir können uns die Umwelt genau so vorstellen, wie unser Badezimmerspiegel. Und weil wir genau wissen, dass wir nur in den Spiegel blicken können und dieser uns eben nur das zeigen kann, was wir ihm präsentieren, erwarten wir nie mehr von diesem nützlichen Werkzeug.

Die Umwelt ist ein genau so nützliches Werkzeug, aber nicht für unseren Körper, wie unser oben erwähnter Badezimmerspiegel, sondern für unser Inneres. Die Umwelt zeigt uns also, wie es in uns selbst aussieht, und nichts anderes. Dies tut sie jedoch kompromisslos, genau wie unser Badezimmerspiegel. Keine Falte bleibt unsichtbar, aber auch die schönen Stellen werden uns gespiegelt.

Wie zeigt uns das Aussen unser Inneres?

Konkret bedeutet dies, dass all das, was wir erleben, irgendwie unser Inneres darstellt. Jeder Mensch, der uns aufregt, zeigt uns eine Seite an uns, die wir lieber nicht anschauen würden. Mit jedem Menschen, mit dem wir schöne Erlebnisse haben, werden ebenfalls unsere eigenen Befindlichkeiten gespiegelt.

Wir können uns unsere Umwelt also als grosse Bühne vorstellen, die unser Inneres für uns spielt – nicht mehr und nicht weniger. Das Drehbuch schreiben wir – Tag für Tag.

Warum nützt es nichts, die anderen ändern zu wollen?

Es nützt also nichts, wenn wir versuchen, die Schauspieler (sprich unsere Mitmenschen) zu verändern, denn diese können nur die Rolle spielen, die wir ihnen zugeteilt haben. Natürlich geschieht dies alles im Einverständnis mit den „Schauspielern“. Keiner wird in einer Rolle gezwungen, aber wir bestimmen, welche Rolle ein bestimmter Mensch für uns spielen soll.

Somit ist ein unzuverlässiger Partner, ein herrischer Chef oder ein anstrengendes Kind genau das, was wir ihm „auf den Laib geschrieben“ haben. Es ist Energieverschwendung, diesen Partner zu bestrafen, damit er zuverlässiger wird. Wir können uns fragen, warum wir einen unzuverlässigen Partner brauchen. Sind wir vielleicht selbst unzuverlässig oder sind wir selbst viel zu korrekt? Sind wir zu nachgiebig oder zu pingelig?

Es gibt also eine Menge Möglichkeiten, worauf uns unsere Mitmenschen – unser Seelenspiegel – aufmerksam machen möchte. Die Übersetzung ist nicht immer 1 zu 1. Also wenn wir beispielsweise oft ausgenutzt werden, muss das nicht heissen, dass wir selbst jemanden ausnutzen. Es kann auch bedeuten, dass wir uns zu viel gefallen lassen, um geliebt zu werden oder dass wir den Wert unserer oder der Leistungen anderer gar nicht bewusst sind.

Wie verändern wir das Spiegelbild?

Wenn wir in unseren Badezimmerspiegel schauen und eine Falte entdecken, wissen wir genau, dass es nichts hilft, den Spiegel zu schminken, denn dadurch geht die Falte nicht weg. Genau so sollten wir uns bewusst sein, dass es nichts bringt, unser Umfeld verändern zu wollen. Wir sollten uns lieber fragen, was uns dieses oder jenes Ereignis sagen wollte. Worauf möchte uns unser Mitmensch aufmerksam machen? Was genau regt uns auf oder was genau hat uns verletzt?

Wir können den Spiegel nicht verändern, aber wir können beispielsweise unsere Sichtweise verändern. Nachdem wir erkannt haben, was uns unser Spiegel zeigen wollte, sind wir in der Lage, die Veränderungen einzuleiten, damit uns unser Spiegelbild immer besser gefällt. Holen wir uns also unsere Macht zurück, anstatt darauf zu warten, bis der andere sich evtl. verändert, was nur in den seltensten Fällen geschieht. Wir selbst jedoch können bestimmen, wann, wie und wie schnell wir uns verändern. Dadurch liegt die Macht wieder in unseren Händen, und wir brauchen keine Zeit mehr mit Warten und Hoffen zu verschwenden.