Warum sollten wir uns unseren Gefühlen stellen?
Im letzten Beitrag habt Ihr erfahren, dass Ihr Eure Gefühle über Euren Körper steuern könnt. Diesmal werde ich Euch ein Werkzeug an die Hand geben, um auch mit schwierigen und hartnäckigen Emotionen umzugehen.
Instinktiv glauben wir, mit heftigen Gefühlen – vor allem, wenn wir diese als negativ empfinden – nicht fertig werden zu können. Deshalb ist unser erster Impuls, diese Emotionen so schnell wie möglich zu verdrängen. Wir stossen sie in eine innere Schublade oder drücken einen Deckel darauf. Wir alle haben ein mehr oder weniger gut funktionierendes Gefühl-Regulierungssystem eingebaut. Dadurch ist es absolut nicht notwendig, seine heftigen Gefühle immer „herauszulassen“. Wenn wir diese fühlen und keine Angst davor haben, regulieren sie sich von ganz alleine. Sobald wir aber Angst vor einer Emotion haben, entsteht der oben erwähnte Dampfkochtopf, und ausserdem ziehen wir durch unsere Angst immer mehr Lebenssituationen an, die uns immer wieder dazu zu zwingen scheinen, unsere Gefühle verdrängen und unterdrücken zu müssen.
Warum können wir jedes Gefühl verkraften?
Wir bekommen im Leben nie mehr aufgebürdet, als unsere Seele verkraften kann. Deshalb kann unsere Seele auch problemlos mit diesen Gefühlen umgehen, wenn wir sie nur lassen. Aber wie stellen wir das an?
Die Angst vor unseren zu heftigen Gefühlen hält uns davon ab, uns diesen zu stellen. Aber das ist genau das, was wir tun sollten: Wir sollten uns in Ruhe hinsetzen und die von uns so gefürchteten Gefühle fliessen lassen. Wir brauchen diese weder zu verstärken noch aufzuhalten – wir können sie einfach aufsteigen und uns davon „überfluten“ lassen. KeineSorge, wir werden dabei nicht ertrinken – Im Gegenteil. Natürlich neigen wir ab und zu dazu, uns in die negativen Gefühle hineinzusteigern und uns von ihnen erfassen und wegschwemmen zu lassen. Aber wenn wir die Emotionen bearbeiten wollen, sollten wir sie aufsteigen, über uns hinwegschwämmen und wieder abebben lassen. Dadurch werden sie uns nicht gefährlich, und der Schmerz, den wir befürchten,dauert vielleicht eine halbe oder eine Minute anstatt Wochen, Monate oder gar Jahre.
Wie stellen wir uns schmerzlichen Erfahrungen?
Falls es schmerzliche Lebenserfahrungen gibt, die wir aus irgendeinem Grund nicht loslassen möchten, sollten wir uns fragen, warum wir denselben Schmerz wieder und wieder durchleiden wollen. Vielleicht bekommen wir dadurch Aufmerksamkeit, oder wir brauchen uns der Zukunft nicht zu stellen oder wir können weiter die Verantwortung für unser Leben abgeben. Viele, die einen sehr lieben Menschen verloren haben, glauben, dass sie nicht weiterleben dürfen, weil sie dem anderen dadurch nicht genügend Respekt oder Loyalität entgegenbringen würden. Aber wenn wir uns selbst fragen, ob es uns recht wäre, dass ein Mensch wegen uns ständig trauern und sein Leben dadurch erschweren sollte, was wäre die Antwort? Ich glaube niemand von uns möchte, dass ein anderer wegen uns leidet, oder?
Es ist immer besser, sich seinen Gefühlen zu stellen und diese ernstzunehmen. Es geht – wie gesagt – nicht darum, jedes Gefühl sofort auszuleben, sondern es für uns einzuordnen.