Für mich statt gegen andere

Eine kleine Geschichte aus meiner Schulzeit

Auch für diesen Beitrag gibt es eine kleine Geschichte aus meinem Leben: In der Volksschule hatte ich eine Lehrerin, welche ich nicht sonderlich gut leiden konnte. Als es um das Thema Berufswahl ging, sagte sie mir: „Wir sehen Dich eines Tages im Büro als Telefonistin wieder.“

Dieser Satz machte mich damals so wütend, dass ich beschloss, auf KEINEN FALL! Telefonistin zu werden. Ihr könnt Euch ja vorstellen, wie sich mein Leben entwickelt hat. In meinem damaligen Job, in welchem ich telefonisch Fahrtwünsche von Menschen mit Behinderungen entgegennahm, fühlte ich mich eher als Versagerin, denn mir war ja genau das Schicksal widerfahren, welches meine damalige Lehrerin für mich vorgesehen“ hatte – sie hatte also gewonnen!

Wie aus Trotz eine Berufung wurde

Auch heute bin ich – wenn man so will – eine Art Telefonistin, denn mein Hauptarbeitswerkzeug ist das Telefon. Nur habe ich beschlossen, dass „Telefonistin“ zu sein nichts Schlechtes ist und dass ich selbst bestimme, wie ich das Telefon positiv und zu meinem eigenen Wohle und zum Wohle der anderen nutze. Dadurch fühle ich mich selbstbestimmt, und ob nun meine damalige Lehrerin „gewonnen“ oder „verloren“ hat, ist nicht mehr von Belang für mich.

Wo arbeiten wir gegen jemanden statt für uns?

Vielleicht gibt es auch in Eurem Leben Situationen, in denen Ihr „gegen jemanden“ arbeitet oder beschlossen habt, bestimmte Dinge „niemals zu tun“. „Ich werde nie so sein wie mein Vater….“ wird in unserem Leben genau die Situationen herbeiführen, die uns wie unser Vater reagieren lassen. Wir glauben dann zwar, einen Sieg gegen unseren Vater errungen zu haben, weil wir ja nie werden wollten wie er, aber wir sind dadurch keinesfalls frei. Unser Tun richtet sich danach, uns entweder minderwertig zu fühlen, weil wir ja doch so geworden sind oder ständig auf der Hut zu sein, nie so zu werden. Dadurch dreht sich unser Leben insgeheim nie um uns, sondern in diesem Beispiel um unseren Vater.

Vielleicht ist ja nicht alles, was unser Vater früher gesagt oder getan hat schlecht. Besser ist es, für uns auszusortieren, welche Eigenschaften wir an ihm bewundern. Dadurch entscheiden wir uns nicht gegen ihm sondern für uns. Nun leben wir frei und selbstbestimmt, und unser Leben dreht sich einzig und allein um unser Wohlbefinden. Das macht uns zu wahren Siegern, denn wer kann schon verlieren, wenn er/sie sich für sich selbst entscheidet?