Eigenverantwortung

Immer wieder begegne ich in meinen Beratungen Menschen, die beim Thema Eigenverantwortung zunächst verständnislos oder sogar ängstlich reagieren. Viele haben nie gelernt, was Eigenverantwortung eigentlich bedeutet – und dass sie nichts mit Schuld, Druck oder alles-allein-machen zu tun hat. Kein Wunder also, dass bei diesem Wort sofort innere Abwehr oder Unsicherheit entstehen. Das Thema ist mit vielen Missverständnissen behaftet – dabei ist es einer der wichtigsten Schlüssel zu unserer inneren Freiheit und echter Selbstermächtigung. In der kommenden Zeit werden wir noch sehr viel über dieses Thema lernen, weil wir uns mehr und mehr Richtung Individualität und eigener Kreativität entwickeln. Es geht nicht mehr darum, ein kleines Rädchen in einer Maschine zu sein sondern der Welt das zu geben, wozu wir hergekommen sind. Das Wassermann-Zeitalter verlangt viel Flexibilität, Authentizität und Eigenständigkeit von uns – wir müssen also erwachsen werden, ob uns das nun gefällt oder nicht. Viele Menschen spüren beim Wort „Eigenverantwortung“ sofort ein leises Ziehen im Inneren – denn ja, es geht dabei nicht um irgendjemanden, sondern um uns selbst. Um die Art, wie wir auf das Leben reagieren. Um die Entscheidung, wie bewusst wir mit unseren Gedanken, Gefühlen und Handlungen umgehen. Oft wird Eigenverantwortung verwechselt mit „alles allein schaffen müssen“. Doch das ist ein Missverständnis. Es geht vielmehr darum, zu erkennen: Ich bin diejenige, die wählt. Ich bin derjenige, der entscheidet. Ich bestimme, welchen Kurs mein „Lebensschiff“ nimmt – auch wenn gerade Sturm herrscht. Eigenverantwortung ist kein Synonym für Schuld. Sie bedeutet nicht, dass wir uns für alles, was schiefgeht, selbst verurteilen. Eigenverantwortung ist vielmehr das Bewusstsein, dass wir Möglichkeiten haben. Dass in uns ein innerer Rucksack voller Fähigkeiten, Erkenntnisse und Ressourcen liegt, mit denen wir jede Herausforderung meistern können. Ein Beispiel: Wenn jemand dich kritisiert oder dich verletzt, bedeutet Eigenverantwortung nicht, dass du denkst: „Ich bin schuld, dass er so mit mir umgeht.“ Das wäre Selbstanklage – und dadurch fällst Du in die Opferrolle. Eigenverantwortung bedeutet in diesem Fall, dass du inne hältst und dich fragst: „Was will mir diese Situation zeigen? Wo darf ich für mich selbst einstehen, Grenzen setzen oder Mitgefühl entwickeln?“ Du übernimmst die Verantwortung für deinen inneren Umgang mit der Situation – nicht für das Verhalten des anderen. Wenn wir damit beginnen, unser Leben und das, was uns begegnet, nicht immer als persönlichen Angriff zu sehen, wird es uns leichter fallen, alles, was wir im Aussen erleben, als Möglichkeit zu mehr Wachstum und Authentizität zu erkennen und für uns zu nutzen. Nun können wir jedes mal, wenn ein Freund, eine Autorität oder ein System uns enttäuscht uns selbst fragen: Was brauche ich? Wie kann ich mein Leben, meine Gesundheit, meine Beziehung verbessern? Wir können jederzeit andere um Hilfe bitten, aber wenn wir dies eigenverantwortlich tun, tun wir das auf Augenhöhe und wissen genau, was wir brauchen und was wir selbst beisteuern können. Wir geben die Verantwortung dadurch nicht an andere ab, sondern bleiben immer Kapitän unseres Schifes – holen uns aber eine Mannschaft, die uns mit ihren eigenen Fähigkeiten unterstützend auf unserer Lebensreise begleitet. Wenn wir beginnen zu verstehen, dass wir nicht Opfer unserer Umstände sind, sondern Mitschöpfer unseres Lebens, verändert sich etwas Grundlegendes in uns. Dann spüren wir: Diese Verantwortung ist keine Last – sie schenkt uns Leichtigkeit und die Freiheit, nach der wir uns schon so lange gesehnt haben.