Missverständnisse unseres Egos

Was sind die Missverständnisse unseres Egos?

Über das Ego wird viel geschrieben, und natürlich hat jeder seine eigene Theorie, ob es gut für uns ist, wozu es dient und ob wir es nicht vielleicht doch auflösen sollten. Egal, wie wir mit dem Thema umgehen – unser Ego ist allzeit präsent. Wenn wir ihm zu freien Lauf lassen, erschwert es unnötig unser Leben, weil es von einigen Missverständnissen ausgeht. Einige davon möchte ich Euch hier kurz erläutern:

Betrifft uns wirklich alles persönlich?

„Alles, was jemand zu mir sagt, betrifft mich persönlich“. Ich glaube, in diese Falle tappen wir alle. Vor allem dann, wenn die andere Person in uns unangenehme Gefühle oder Erinnerungen auslöst. Aber normalerweise ist alles, was uns ein anderer sagt, eher eine Botschaft aus seinem Leben. Wie oft geraten wir in Situationen, in denen eine Kleinigkeit einen enormen Streit auslöst. Dies liegt daran, dass wir alle Botschaften des anderen sofort auf uns, unser Leben und unsere Person beziehen. Dabei ist der andere vielleicht heute schlecht gelaunt, hat andere, eigene Probleme, die mit uns gar nichts zu tun haben oder wollte einfach ein Ventil, um seine schon lange angestauten Emotionen endlich loszuwerden. Wenn wir also, anstatt auf jede „Anschuldigung“ gleich mit einem Gegenangriff zu reagieren, erstmal innehalten und ein paar Schritte zurückgehen, lassen sich viele unangenehme Situationen vermeiden oder viel konstruktiver lösen.

Dreht sich das Leben unseres Umfeldes um uns?

„Das Leben meines Umfeldes dreht sich um mich“. Natürlich ist es sehr schmeichelhaft, wenn wir von unserem Umfeld „gebraucht“ werden und wenn wir das Gefühl bekommen, „wichtig“ oder gar „unentbehrlich“ im Leben der anderen zu sein. Ob dies eine Person oder Firma isst, ist unserem Ego egal. Es möchte die Anerkennung dieser Person oder des Chefs und lässt sich dafür auf vieles ein, was aber vielleicht nicht immer förderlich ist. Der Satz „Die Welt dreht sich auch ohne mich“ hat mir in solchen Situationen immer viel Erleichterung gebracht. Wir alle sind erwachsen und kommen auch ohne unseren Lieblingsmitarbeiter, unseren Partner oder unsere Eltern zurecht. Gleichzeitig kommen auch von uns scheinbar „abhängige“ Menschen oder Firmen ohne uns zurecht, auch wenn dies im ersten Moment etwas ernüchternd sein mag. Wenn wir dies aber verinnerlichen, werden wir uns eine Menge Lebenszeit zurückholen und viel mehr Luft zum atmen haben.

Sind wir allein, wenn wir jemanden verletzen?

„Wenn ich jemanden verletze, lehnt er mich als Person ab, und ich bin allein auf der Welt“. Was dieses Misverständnis mit uns und unserem Selbstbewusstsein anrichtet, wissen wir alle. Es ist aber wichtig zu wissen, dass wir, wenn wir Ablehnung erfahren, nicht grundsätzlich und komplett abgelehnt werden. Vielleicht wird unser Freiheitsdrang oder unser loses Mundwerk abgelehnt, nicht aber unser Körper oder sonst irgendetwas. Oder lehnen wir eine Person immer komplett mit allem ab? Früher war es schlimm, mit einer Person zu „brechen“, weil wir auf unsere Familie oder andere Menschen angewiesen waren. Heute ist unsere „Familie“ viel grösser geworden, sodass wir uns die Menschen, mit denen wir zusammen sein möchten, aussuchen dürfen. Ist das nicht befreiend?

Warum sind wir die wichtigste Person in unserem Leben?

Wir sind die wichtigste Person in unserem Leben und nur wenn wir bereit sind, den „inneren Thron“ einzunehmen, kann uns unser Ego ein enorm wichtiger und nützlicher Wegweiser sein. Die Anerkennung im Aussen können wir erst würdigen, wenn wir uns selbst auf die Schulter klopfen und uns loben. Alles, was wir im Aussen erreichen, wird die innere Leere nicht füllen, wenn unser Ego auf unserem Thron fehlt. Denn im Gegensatz zu unserem ersten Misverständnis, dass die Welt ohne uns nicht leben kann, können WIR ohne uns nicht leben. Unsere eigene Welt braucht eine kompetente Führung, und genau dazu wurde uns unser Ego gegeben. Lassen wir also unser eigenes Leben und unsere eigene Welt um uns kreisen. Denn hier geht ohne uns wirklich gar nichts. Fragen wir also uns ständig: „Was will ich gerade? Was tut mir gut? Was brauche ich, um glücklich zu sein?“ usw. Und wenn wir uns um uns selbst kümmern – also im positivsten Sinne „egoistisch“ sind, sind wir eine Bereicherung für die Welt, weil nur glückliche Menschen daran interessiert sind, dass es anderen und unserem Planeten gut geht.