Verantwortung

Wir glauben, dass dieses Thema uns eine Menge Energie kostet oder unser Leben schwer macht. Das liegt aber daran, dass wir glauben, für andere Verantwortung übernehmen zu müssen. Entweder übernehmen wir gefragt oder ungefragt die Verantwortung für andere, weil wir uns im Gegenzug von ihnen irgendetwas wünschen oder erhoffen, oder wir möchten schlicht und einfach geliebt, geschätzt oder anerkannt werden. Es kann auch sein, dass wir uns von unserem eigenen Leben ablenken möchten, weil wir uns noch nie Gedanken darüber gemacht haben, was wir selbst wollen. Dabei vergessen wir, dass der/die andere nicht uns mit all unseren Fehlern und guten Seiten liebt, sondern nur das, was wir ihm oder ihr bieten. Ausserdem bestimmt die andere Person stets, ob wir genug getan haben oder nicht. Solange die/der andere glücklich ist, dürfen wir ebenfalls aufatmen und froh sein, aber ab dem Moment, indem der/die andere unzufrieden ist, sind wir sofort wieder gefragt und müssen uns um sein oder ihr Glück kümmern. Wir wissen nie, wie lange der Moment der Zufriedenheit andauert. Wir sind also ständig auf der Hut und stets bereit, mehr zu leisten und zu investieren. Dies ist aber nicht die Liebe, die wir uns vom anderen wünschen. Vielleicht sind auch wir diejenigen, die die Verantwortung für Dinge, die uns unangenehm sind, gerne an andere abgeben möchten. Das kann der Partner, der Staat oder Gott sein. Wir jammern, beschweren uns und schimpfen so lange, bis sich jemand findet oder wir vom Umfeld genügend Mitleid und Aufmerksamkeit erhalten. Eventuell schimpft es sich auch gemeinsam noch besser, sodass wir eine Art Solidarität und Zugehörigkeit zu einer Gruppe fühlen können. Das Bisschen Energie, welches wir durch diese scheinbare Gruppenzugehörigkeit erhalten, verpufft aber sehr schnell wieder, weil wir uns in unserem Job, in unserer Beziehung oder in unserer finanziellen Situation machtlos fühlen. Wir brauchen also immer eine/n Schuldige/n, damit wir uns selbst nicht um das ungeliebte Thema kümmern müssen. Dadurch geraten wir in einen immer stärkeren Strudel aus Negativität und Unzufriedenheit. Mit Verantwortung ist jedoch gemeint, dass wir die Verantwortung für alles – wirklich alles – in unserem eigenen Leben komplett selbst übernehmen. Dies mag anfangs erschreckend klingen, aber nur wenn wir eine Situation annehmen, sind wir auch in der Lage, sie zu verändern. Solange wir etwas ablehnen, verurteilen oder ignorieeren, wird es bei allem, was wir tun, im Hintergrund mitschwingen und uns im ungünstigsten Moment auf dem falschen Fuss erwischen. Alle Entscheidungen haben uns zu dem Menschen gemacht, der wir heute sind. Wir haben unseren Körper geformt, ab dem 18. Lebensjahr selbst entschieden, wo unser Leben hingehen soll, usw. Jetzt geht es erstmal darum, zu all dem „ja!“ zu sagen und uns anzuschauen, was wir bisher aus dem gelernt haben, was wir bis jetzt entschieden haben. Auch die Tatsache, dass wir jemand anderen für uns entscheiden liessen, war eine Entscheidung von uns. Es gibt also keinerlei Ausreden. Niemand ist an irgend etwas Schuld, auch wir nicht. Manche Dinge wussten wir damals nicht besser, das ist ales. Auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache, möchte ich auch sogenannte „Schicksalsschläge“ wie Krankheiten, Jobverluste, usw. eingehen. Es ist besonders wichtig, genau dafür die Verantwortung zu übernehmen. Jeder Verlust, jede Krankheit beinhaltet eine Chance, die uns über uns selbst hinauswachsen lässt. Sobald wir diese erkennen, hat die Situation ihren Schrecken verloren und kann uns zu einem erfüllteren Leben führen. Ein verantwortungsvolles Leben zu führen heisst, sich stets bewusst zu machen, was man möchte und was nicht. Wo bin ich noch fremdbestimmt und wann gebe ich meine Macht ab? Welche Dinge glaube ich einfach, ohne sie je überprüft zu haben? Sobald wir aufhören, mit unserer Vergangenheit zu hadern und daraus lernen, werden wir uns Stück für Stück selbst ermächtigen und ein freieres und verantwortungsvolleres Leben führen, was unserem Herzen entspricht. Ich wünsche Euch viel Freude dabei.